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Hypnosystemische
Charta

Als lebendige Landkarte der Haltungen

Dies ist eine Einladung zur Erkundung – kein Test, keine Checkliste. Die Charta ist kein fertiger Zustand, sondern ein Prozess. Entdecke, wie sich die hypnosystemischen Haltungen im Fluss deines Alltags zeigen können.

Sechs Prinzipien

Die Pfade der Haltung

Jede Haltung ist ein Eingang in die Landkarte – nicht ein Schritt auf einer Treppe.

Wirklichkeit wird nicht gefunden, sondern konstruiert – durch die Linse der Aufmerksamkeit, durch Sprache und den Kontext. Es gibt keine „objektiven Wahrheiten", nur viable (passende) Konstruktionen. Wo du hinschaust, wird zur Realität. Fokus lenkt den Fluss.

Mit mir selbst

Achtsames Co-Kreieren: Frage dich, welche Konstruktion dir dient. Statt „Das ist so" – welche Bedeutung gibst du dem gerade? Welche Alternative wäre lebbarer?

Mit anderen

Perspektivenvielfalt ehren: Die Wirklichkeit des Gegenübers ist ebenso gültig. Biete neue Rahmen, Metaphern oder Kontexte an – ohne die alte Sicht abzuwerten.

Menschen und Systeme organisieren sich selbst (Autopoiese). Muster und Symptome sind oft intelligente Lösungsversuche in einem schwierigen Kontext – auch wenn sie heute einen hohen Preis haben. Die Lösung steckt im System selbst.

Mit mir selbst

Wohlwollende Würdigung: Welcher gute Grund liegt hinter diesem Muster? Was hat es einmal geschützt? Impulse anbieten und dem eigenen Rhythmus vertrauen.

Mit anderen

Ehrfurcht vor Komplexität: Sieh hinter das offenkundige Problem. Vorschussvertrauen in die Selbstorganisationskraft ist der Schlüssel.

Der Mensch ist zutiefst autonom und gleichzeitig zutiefst verbunden. Beziehung auf Augenhöhe und Herzhöhe. Wir würdigen die „guten Gründe" des Gegenübers und sehen keine Defizite, sondern ungenutzte Ressourcen.

Mit mir selbst

Grenzen und Kontakt: Spüre die Balance zwischen Autonomie (Was brauche ich?) und Verbundenheit (Was gebe ich in die Beziehung?).

Mit anderen

Dialog und Ko-Kreation: Tritt in einen echten Dialog ein. Die besten Lösungen entstehen nicht im Oben/Unten, sondern im Nebeneinander.

Unwillkürliche Prozesse – Trance-Momente, innere Bilder, innere Anteile – sind wertvolle Informations- und Ressourcenquellen, keine Störfaktoren. Wir arbeiten mit dem Unbewussten, nicht dagegen. Metaphern und Geschichten sind Brücken.

Mit mir selbst

Würdigung innerer Landschaften: Lausche deinen inneren Stimmen und Bildern. Anstatt etwas wegmachen zu wollen: Was will dieser Anteil schützen oder mitteilen?

Mit anderen

Metaphern-Detektiv: Nimm die Sprache und Bilder des Gegenübers auf und nutze sie (Utilisation). Ein gutes Bild ist oft wirksamer als tausend Erklärungen.

Die Beobachtenden sind immer Teil des Systems, das sie beobachten. Jede Haltung, jede Intervention geschieht in einem Kontext und hat Folgen. Es geht um Viabilität (Passfähigkeit), nicht darum, absolut Recht zu haben.

Mit mir selbst

Selbst-Reflexion: Welche Rolle nehme ich gerade ein? Deine Präsenz verändert das Feld. Nutze diesen Einfluss bewusst.

Mit anderen

Rahmen und Macht: Blende Macht, Rollen und Rahmenbedingungen nicht aus – mache sie transparent. Das ist die Eleganz der Kybernetik 2. Ordnung.

Der Körper ist eine zentrale Informationsquelle – ein somatischer Anker für Stimmigkeit. Körperreaktionen (Atmung, Spannung, Bauchgefühl) sind keine Störfaktoren, sondern Wegweiser. Ganzheit umfasst Kopf, Herz, Körper, Beziehung und Kontext.

Mit mir selbst

In den Körper lauschen: Nimm dir kurze Momente, um in deine somatischen Marker hineinzulauschen. Erlaube deinem Körper, Co-Entscheider zu sein.

Mit anderen

Körper als Resonanzraum: Achte auf nonverbale Signale und deine eigene körperliche Resonanz im Kontakt. Nutze dieses Wissen achtsam und nicht interpretierend.

Handle stets so, dass die Anzahl der Möglichkeiten wächst.

— Heinz von Foerster, Kybernetiker

Wenn du unsicher bist, wähle die Option, die mehr Optionen für dich und andere öffnet – statt sie zu reduzieren.

Alles ist im Fluss

Die hypnosystemische Haltung ist kein fester Zustand, sondern ein lebendiges, sich wandelndes Flusssystem. Nichts ist fertig, alles ist in Entwicklung.

Eine Einladung
zum Dialog

Leichtigkeit ohne Verflachung. Tiefe ohne Schwere.

Diese Landkarte ist ein Spiegel, kein Urteil. Sie soll inspirieren und daran erinnern, dass die hypnosystemische Haltung eine lebendige Praxis ist – mit dir selbst, mit deinen Klienten und im gesamten Netzwerk.

Wir laden dich ein, diese Haltungen im Austausch mit anderen Netzwerk-Mitgliedern weiter zu erkunden. Humor und ein liebevolles Augenzwinkern dürfen dabei nicht fehlen.